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Hermann Schulz
Spuren hinterlassen in seiner Zeit. Dietmar Schönherr wird 80

Sein Großvater erwarb den Adelstitel „Edler von Schönleiten“ wegen besonderer Verdienst im 1. Weltkrieg, sein Vater war General und zog von Österreich mit seiner Familie nach dem „Anschluss“ an Nazi-Deutschland nach Potsdam, wo Sohn Dietmar 1943 das Abitur machte. Im gleichen Jahr dreht er mit dem UFA-Regisseur Alfred Weidemann „Junge Adler“, ein vom heroischen Denken der Zeit geprägter Film, aber weder platte Nazi-Propaganda noch Durchhaltefilm. Er ist auch heute noch sehenswert ist für alle, die sich für das „Männerbild“ jener Zeit interessieren.

Dietmar Schönherr, am 17. Mai 1926 geboren, hat den Adelstitel nie benutzt. Von seiner selbstbewussten Bescheidenheit, von über 90 Filmrollen, seinem Engagement als Synchronsprecher für Gerard Philippe und James Dean und seine legendären Talkshows im deutschen Fernsehen soll hier nicht die Rede sein; das wird an anderer Stelle sicher zu seinem 80 Geburtstag im Mai ausreichend gewürdigt werden.

Es gibt einen anderen, unbekannteren Dietmar Schönherr. Mit Altersweisheit und beachtlichtem Können als Erzähler hat er die beiden Lebensrollen in einem autobiografischen Roman „Sternenloser Himmel“ (2006) versucht, darzustellen – wohl auch, um sie selbst besser zu verstehen. Wir begegneten uns vor mehr als zwanzig Jahren bei einer Veranstaltung im Ruhrgebiet; es ging um Chile, um Befreiung, um Nicaragua. Bei einem Gespräch wenig später in Berlin interessierte er sich lebhaft für den Überlebenskampf des sandinistischen Nicaragua. Er sagte einfach zu, dorthin zu reisen und sich zu engagieren.

Er hat in den letzten zwanzig Jahren in Nicaragua Unglaubliches geleistet: Ist das seine Antwort auf die militärische Tradition seiner Familie? Was trieb ihn 1944, aus Hitlers Armee zu desertieren? Was treibt ihn, sich biblischen Geschichten zuzuwenden und sie neu zu erzählen? Romane zu schreiben, die aus seinem abenteuerlichen Erleben des fremden Nicaragua gespeist sind? Auf Kirchentagen aufzutreten und zu predigen?

Seine Predigten, seine Bücher und sein Handeln waren und sind immer einfache Bekenntnisse seiner Liebe, mit Menschen etwas auf die Beine zu stellen, seiner Einsicht, dass jeder – vor allem wenn er prominent ist – sich für eine bessere Gesellschaft engagieren könnte. Er fordert das nicht von anderen; er gibt ein Beispiel! Während seines Engagement für das verelendete Nicaragua habe ich mit Erstaunen beobachtet, dass dieser Dietmar Schönherr, bei (oder trotz?) aller Lebenserfahrung und natürlicher Klugheit immer lernbereit geblieben ist, und zwar in einem erstaunlichen Maße. Wer die ersten Anfänge seines großen Projektes in Nicaragua „Haus der drei Welten“ mitbekommen hat und die konkrete Arbeit heute sieht, hat eine Vorstellung davon, dass der Initiator immer bereit war, seine Ideen und Pläne nach den Menschen und ihren Bedürfnissen auszurichten.

Hat der Sohn einer Militärfamilie mit den Traditionen seiner Väter gebrochen? Das wäre eine zu kurz greifende Schlussfolgerung. Er ist ein hartnäckiger Kämpfer, ein bescheidener Anführer; jemand der Menschen motivieren kann, ihr Bestes zu geben. Dazu nutzt er unbedenklich auch seine Bekanntheit. Wir haben es mit einem Mann zu tun, den eine Aura von Melancholie umgibt, der trotzdem herzlich lachen kann. Sein Verein „pan y arte“ (Brot und Kunst) lebt von Netzwerk von Freunden, darunter sein Nachfolger als Vorsitzender Henning Scherf; er lebt von seinen nicht selten spontanen bis chaotischen Ideen, seiner Großzügigkeit und seiner unerschöpflichen Kreativität. Er hat schon jetzt Spuren hinterlassen hat in seiner und künftiger Zeit.

Zu seinem 80. Geburtstag gratulieren und danken wir ihm!

Wuppertal, den 22. April 2006
Hermann Schulz

Hermann Schulz ist Vorstandsmitglied bei „pan y arte“.
Er lebt als Schriftsteller in Wuppertal

 

Hier die Kontoverbindung, damit auch Sie mit Ihrer Spende den Kindern in Nicaragua helfen können:

Pan y Arte e.V.
Konto 36 36
Bank für Sozialwirtschaft Köln
BLZ 370 205 00