Biographisches
Sergio Ramírez Mercado wurde am 05. August 1942 in Masatape geboren. In den 1960er Jahren studierte Ramírez Jura in Léon. Doch seine Leidenschaft zur Literatur wie auch sein Interesse für die politischen und sozialen Mißstände in seinem Land waren schon früh geweckt. Gemeinsam mit Fernando Gordillo gründete er in dieser Zeit das literarische Magazin »Ventana« und avancierte zu einem der führenden intellektuellen Köpfe dieser Zeit.
1969 wurde Ramírez zum Generalsekretär der Mittelamerikanischen Rektorenkonferenz ernannt. In den Jahren 1973 bis 1975 lebte er als Stipendiat des Künstlerprogramms des DAADs in Berlin.
Ab 1970 beteiligte er sich aktiv am Widerstand der Sandinischten Befreiungsfront FSLN gegen die Somoza-Diktatur in seinem Land. Gemeinsam mit Ernesto Cardenal war Ramírez einer der Initiatoren der 1977 gegründeten »Gruppe der Zwölf« – einem Zusammenschluß nicaraguanischer Unternehmer, Künstler und Intellektueller gegen die Machenschaften Somozas. Nach dem Triumph der Sandinisten wurde Ramírez zum Vizepräsidenten gewählt (1984-1990). Anschließend wirkte er noch vier Jahre als Sprecher der Sandinistischen Opposition im Parlament. Für sein politisches Engagement wurde er 1985 mit dem Bruno-Kreisky-Preis für Menschenrechte ausgezeichnet. 1995 gründete er die Partei »Bewegung für die sandinistische Erneuerung«.
In den Jahren 1999 und 2000 lehrte er als Gastprofessor an der University of Maryland. Im Sommersemster 2001 erhielt er die Samuel Fischer-Gastprofessor an der Freien Universität zu Berlin.
Heute lebt Sergio Ramírez als Schriftsteller und Literaturprofessor mit seiner Frau Tulita in Managua. Mit seinen meist politisch geprägten Essays, Erzählungen, Fabeln und Romanen gelangen ihm Welterfolge. So erhielt er beispielsweise 1998 den spanischen Premio Alfaguara de Novela für seinen Roman »Margarita, está linda la mar«.
Weitere Informationen zur Biographie (Español)
Weitere Informationen zur Biographie (English)
Wichtige Werke
- Vergeben und vergessen – Erzählungen
(Edition 8, Zürich, 2004, Fr. 32.-, Euro 19.80, ISBN 3-85990-010-2, 208 Seiten, gebunden Fadenheftung, Lesebändchen)
Aus dem Spanischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Lutz Kliche.
»In einem nicaraguanischen Dorf verprasst eine ganze Familie auf unerhörte Weise das Erbe des Vaters. Stasi-Chef Mielke bringt den republikflüchtigen Fussballstar Lutz Eigendorf zur Strecke. In Kolumbien wird ein Fussballstar umgebracht, weil er im entscheidenden Qualifikationsspiel der Nationalmannschaft ein Eigentor schiesst. Das Schicksal beschert einer jungen Nicaraguanerin nach vielen Jahren die verlorene Mutter zurück, doch es ist zu spät für einen Neuanfang. Ein Rechtsanwalt bringt den vermeintlichen Liebhaber seiner Frau um, um im Moment der Tat festzustellen, dass er in eine Falle getappt ist.
Ein prall gefüllter Nachttopf mit Männerschaum schafft Aufruhr im Haus einer ehrbaren Witwe. Ein ehemaliger Baseballstar verbringt sein Leben als Sektenprediger und wartet darauf, dass ihn sein grosses Trainervorbild in den Baseballhimmel holt. Ein Filmemacher erfährt nach vielen Jahren, dass sein Vater nicht sein Vater ist, ihn aber umso mehr geliebt haben muss.
Ganz in der Tradition so berühmter lateinamerikanischer Autoren wie Jorge Luis Borges und Julio Cortázar schafft Sergio Ramírez es mühelos, seine Leserschaft in den Bann zu schlagen und in die Zwielichtzone zwischen Realität und Imagination, zwischen Wirklichkeit und Wahn zu entführen, die so typisch ist für die lateinamerikanische Literatur und die auch etwas zu tun hat mit der ungeheuren Gewalt der tropischen Umwelt, die unsere europäischen Sicherheiten und Gewissheiten nicht zulässt.
Doch ist Ramírez ein globaler Schriftsteller, ein echter Kosmopolit: Seine Geschichten spielen auf dem nicaraguanischen Dorf genauso wie in Deutschland, Kolumbien oder in den USA. Unzweifelhaft gehört Ramírez zur ersten Garde der zeitgenössischen lateinamerikanischen Autoren.« (Klappentext)
- Adiós Muchachos. Una memoria de la revolución sandinista –
Eine Erinnerung an die sandinistische Revolution
(Peter Hammer Verlag, Wuppertal 1999/2001, ISBN 3872948717, 17.90 Euro)
Aus dem nicaraguanischen Spanischen übersetzt von Lutz Kliche.
»Ein leidenschaftlicher, informativer und kluger Bericht, der in ganz Lateinamerika bekannt ist. Erinnerungen an die revolutionäre Epoche Nicaraguas, geschrieben von einem der wichtigsten Protagonisten der Ereignisse, dem Schriftsteller und Politiker Sergio Ramirez.
Als 1990 die Wahlen in Nicaragua für die Sandinisten verloren gingen, schien es, als wäre die Vision von der Veränderbarkeit unserer Welt ins Leere gelaufen. Sergio Ramirez hat als wichtigste Gestalt der bürgerlichen Opposition und gewählter Vizepräsident Nicaraguas die Ereignisse der 70er und 80er Jahre miterlebt, mitgestaltet. Seinen unbestechlichen, klugen Rückblick legt er nicht zur Abrechunung vor, sondern um zu erzählen und Erkenntnisse für die Zukunft zu gewinnen.« (Klappentext)
Rezension von Frank Niess: Selbstbedienungsladen. Ein ehemaliger Sandinist erzählt von der Revolution in Nicaragua. In: Süddeutsche Zeitung (11.09.2001)
- Un Baile de Máscaras – Maskentanz
(Peter Hammer Verlag, Wuppertal 1995/1998, ISBN 3872948717, 5.00 Euro)
»Mit Zuneigung und Humor zeichnet Ramirez ein buntes Tableau seines Heimatortes mit all seinen Originalen, kauzigen Charakteren und liebenswerten Anekdoten.« (Klappentext)
- Margarita, está linda la mar (1998)
deutsch: Margarita, das Meer ist schön. - Cuentos Completos (1997)
- Castigo Divino (1988)
- ¿Te dió miedo la sangre? (1976)
deutsch: Die Spur des Caballeros - Tiempo de Fulgor (1970)
deutsch: Chronik des Spitals San Juan de Dios, aufgezeichnet von der Schwester Maria Teresa